Durchschnittlicher Gewinn eines Handwerksbetriebs

Durchschnittlicher Gewinn eines Handwerksbetriebs - wie hoch ist er?

Das Handwerk ist seit jeher ein äußerst heterogenes Feld, in dem unterschiedlichste Leistungen zu unterschiedlichsten Preisen angeboten werden. Von der Elektroinstallationsfirma über die Tischlerei bis hin zur Dachdeckerei bewegen sich verschiedene Akteurinnen und Akteure mit differierenden Leistungsportfolios, Preisen und Arbeitsverständnissen im Handwerk. So verwundert es nicht, dass die Einnahmen, die im Handwerk tätige Betriebe erzielen, teilweise mehrere Größenordnungen auseinander liegen. Doch wie viel Umsatz und Gewinn erzielt ein Handwerksbetrieb in Deutschland im Durchschnitt? Mit welchen Einnahmen können Handwerkerinnen und Handwerker rechnen? Wo findet mein Betrieb sich wieder? Und welche Branche steht besonders gut da?

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Studie: Umsatz der Handwerksbetriebe im Vergleich

Die Vielfalt der Unternehmen, die sich im Handwerk tummeln, macht eine differenzierte Untersuchung nötig. Eine Strukturumfrage des Zentralverbands des deutschen Handwerks leistet hier sehr gute Arbeit, indem sie die Einnahmen verschiedener Handwerksbetriebe nach unterschiedlichen Kriterien ordnet:

  • Welche Kundinnen- und Kundengruppen sind in welchem Bereich für den meisten Umsatz verantwortlich?
  • Mit welchen Tätigkeiten wurde der Umsatz erzielt?
  • Wie hoch ist der Umsatz?

Durch eine strukturierte Befragung lassen sich neben der reinen Umsatzhöhe weitere Erkenntnisse über die verschiedenen Bedingungen der Umsatzgenerierung im Handwerk gewinnen. Ergänzend betrachtet werden kann eine Erhebung des Statistischen Bundesamtes, die den Umsatz nach Berufsgruppen aufschlüsselt. Durch die Kombination der beiden Erhebungen lassen sich interessante Einblicke in die Organisations- und Einnahmenstruktur und der durchschnittliche Umsatz des Handwerks gewinnen.

Überraschend dürfte etwa der Umstand sein, dass Müllerinnen und Müller (seit 2017: Verfahrenstechnologe bzw. -technologin Mühlen- und Getreidewirtschaft) hinsichtlich des generierten Pro-Kopf-Jahresumsatzes mit großem Vorsprung vor allen anderen Handwerksgruppen rangieren. Im Jahr 2019 wurde hier ein durchschnittlicher Umsatz von 312.000 Euro erzielt. Diesen hohen Einnahmen steht die geringe Größe der Berufsgruppe gegenüber: Im Untersuchungszeitraum gab es in Deutschland lediglich 600 selbstständige Müllerinnen und Müller.

Auf den folgenden Rängen finden sich Mechanikerinnen und Mechaniker unterschiedlicher Fachgebiete:

  • Selbstständige in der Kraftfahrzeugtechnik erzielten einen durchschnittlichen Jahresumsatz von 220.037 Euro;
  • im Kraftfahrzeuggewerbe lag er bei 211.000 Euro,
  •  in der Landmaschinenmechanik bei 190.000 Euro
  •  und im Karosserie- und Fahrzeugbau bei 138.000 Euro;
  • Zweiradmechanikerinnen und -mechaniker erzielten durchschnittlich einen Umsatz von 137.000 Euro im Jahr.

 Das Baugewerbe, das als besonders umsatzstark gilt, folgt mit den Berufen Maurer bzw. Maurerin sowie Betonbauer bzw. Betonbauerin erst auf dem neunten Rang. Selbstständige in diesen Zweigen konnten im Jahr 2009 durchschnittlich einen Umsatz von 121.000 Euro erzielen.

Dass derart hohe Umsätze bei Betrachtung der gesamten Handwerksbranche nicht zwingend den Regelfall darstellen, zeigt die Strukturumfrage aus dem Jahr 2017:

Mit siebzehn Prozent ist die Gruppe der Betriebe, die maximal einen Umsatz von 17.500 Euro erzielte, die größte. Ähnlich stark vertreten sind Umsätze zwischen 17.500 und 50.000 Euro mit vierzehn Prozent der Betriebe und Umsätze zwischen 50.000 und 125.000 Euro mit fünfzehn Prozent. Auch Umsätze zwischen 125.000 und 250.000 Euro sowie zwischen 250.000 und 500.000 Euro, die jeweils von zehn Prozent der befragten Handwerksbetriebe erzielt werden, sind keine Seltenheit. Hierin zeigt sich einmal mehr die starke Heterogenität, die im Handwerk vorgefunden werden kann.

Auch Umsätze zwischen 500.000 und einer Million Euro sowie zwischen einer Million und zwei Millionen Euro sind keine Randerscheinung: Acht bzw. fünf Prozent der Betriebe ordnete sich in der Befragung in diese Kategorie ein.

Strukturumfrage aus dem Jahr 2016: Umsätze Handwerk pro Jahr
Quelle: Bericht "Strukturumfrage im Handwerk", Zentralverband des deutschen Handwerks.

Umsatz nach Absatzregionen.
Umsatz nach Absatzregion. Quelle: Bericht "Strukturumfrage im Handwerk", Zentralverband des deutschen Handwerks.

Umsatz nach Region

Erzielt wird der Großteil der Umsätze im Handwerk in der Region des Betriebssitzes: In der 2017 durchgeführten Strukturumfrage des Zentralverbands des deutschen Handwerks gaben die Befragten an, im Durchschnitt 67 Prozent ihrer Umsätze in einem Umkreis von 50 Kilometern um den Betriebssitz zu erzielen. Nur drei Prozent der Umsätze wurden im Ausland und nur dreizehn Prozent in mehr als 150 Kilometer vom Betriebssitz entfernten Regionen Deutschlands erwirtschaftet. Überdurchschnittlich häufig in entfernteren Regionen unterwegs sind Betriebe des Bau- und Ausbauhandwerks sowie der Handwerke für den gewerblichen Bedarf. Auch hier zeigt sich insgesamt jedoch eine deutlich höhere Bedeutung der Region des Betriebssitzes. Insgesamt ist das Handwerk damit als stark lokal verwurzelte Institution zu verstehen.

Umsatz nach Kundengruppen

Den Großteil ihres Umsatzes erzielen die Handwerksunternehmen in Deutschland durch Geschäfte mit Privat- sowie Unternehmenskundinnen und -kunden. In der Strukturumfrage machten diese beiden Gruppen zusammen 86 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Die Verteilung der Kundinnen und Kunden auf diese beiden Gruppen variiert je nach Handwerk stark. Während Optikerinnen und Optiker etwa zu 98 Prozent Privatleute bedienen, sind 94 Prozent der Kundinnen und Kunden in der Feinmechanik Unternehmen. Der öffentliche Sektor nahm in beinahe allen Handwerken nur eine untergeordnete Rolle ein. Lediglich im Straßenbau sind Aufträge aus öffentlicher Hand mit einem Anteil von 55 Prozent für einen Großteil der Umsätze verantwortlich. Im Baugewerbe wurden 30 Prozent der Umsätze aus öffentlichen Aufträgen generiert.

Umsatz nach Kundengruppen.
Umsatz nach Kundengruppen. Quelle: Bericht "Strukturumfrage im Handwerk", Zentralverband des deutschen Handwerks.
Umsatz nach Erzeugnissen und Dienstleistungen
Umsatz nach Erzeugnissen und Dienstleistungen. Quelle: Bericht "Strukturumfrage im Handwerk", Zentralverband des deutschen Handwerks.

Umsatz nach Erzeugnissen und Dienstleistungen

Interessant ist die Tatsache, dass der erzielte Umsatz sich, wird das gesamte Handwerk betrachtet, relativ gleichmäßig über verschiedene Formen von Erzeugnissen und Dienstleistungen verteilt. Zwanzig Prozent des Umsatzes wurde durch die Herstellung eigener Produkte erzielt, neunzehn Prozent entfiel auf Herstellung oder Ausbau von Neubauten, elf Prozent wurde mit der Sanierung von Altbauten erzielt, 21 Prozent und damit der größte Anteil entfiel auf Reparatur, Wartung und Montage, sonstige Dienstleistungen machten vierzehn Prozent aus und der Handel mit fremdbezogener Ware nahm einen Raum von fünfzehn Prozent ein. Das Handwerk verteilt sich damit auf mehrere Stützen, die insgesamt etwa gleich stark sind.

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Anleitung + Formel: Den Gewinn Ihres Betriebes berechnen

Die Umsatzzahlen geben bereits ersten Aufschluss über die Stellung Ihres Betriebs im handwerklichen Gesamtgefüge. Doch aussagekräftiger für den Lebensstandard des Betriebsinhabers bzw. der Betriebsinhaberin ist der Gewinn. Ein hoher Umsatz garantiert einen solchen noch nicht, da etwa Ausgaben für Baumaterial oder Personal hier noch nicht abgezogen wurden. Der Gewinn des eigenen Betriebs lässt sich indes leicht berechnen, indem alle Ausgaben des Unternehmens vom erzielten Umsatz subtrahiert werden. Die Formel lautet entsprechend:

Umsatz - Ausgaben = Gewinn.

Einberechnet werden müssen alle erzielten Einnahmen sowie alle getätigten Ausgaben. Werbeausgaben sind also ebenso abzuziehen wie Personal- und Materialkosten. Beide Werte, den Umsatz sowie die Ausgaben, ergeben sich direkt aus Ihrer Buchhaltung. Durch Variation der einbezogenen Zeiträume können sie neben dem Jahres- auch den Monats- oder Quartalsgewinn berechnen und so feststellen, in welchen Zeiträumen Sie über- oder unterdurchschnittliche Gewinne erzielen konnten. Daraus ergeben sich in der Regel interessante Einblicke, die zur Optimierung des eigenen Betriebs und damit zur Umsatz- und Gewinnsteigerung genutzt werden können.

Internes und externes Rechnungswesen.

Eine beispielhafte Aufstellung, die zur Ermittlung des Gewinns führt, kann wie folgt aussehen:

Einnahmen (ohne Umsatzsteuer)

Werbungskosten

Personalkosten

Materialkosten

Fahrtkosten

Sonstige Ausgaben (Webseite, Investitionen etc.)

117.300 €

2.400 €

50.000 €

8.500 €

1.800 €

1.200 €


Durch die Summierung aller Ausgabenposten ergibt sich die Gesamtausgabensumme von 63.900 Euro. Durch Anwendung der genannten Formel lässt sich so schnell der Gewinn berechnen: 117.300 Euro - 63.900 Euro = 53.400 Euro.


Online-Rechner: Marge berechnen

Ebenfalls interessant für Unternehmerinnen und Unternehmer ist die bei einem Auftrag erzielte Gewinnmarge. Hierbei handelt es sich um den Gewinn, der mit einer Einzeltätigkeit erzielt wird. Berechnet wird er ähnlich wie der Gesamtgewinn. Einbezogen werden jedoch lediglich durch den betreffenden Auftrag generierte Einnahmen und Ausgaben. Bei Einsatz von Personal stellt die Berechnung der auftragsbezogenen Personalkosten den schwierigsten Schritt der Margenberechnung dar: Berechnet werden muss neben dem Stundenlohn der Beschäftigten die exakte Einsatzdauer für den jeweiligen Auftrag. Einfacher ist die Berechnung, wird die Arbeit selbst ausgeführt. In diesem Falle kann die Berechnung problemlos durch einen Margenrechner übernommen werden.n.


Gewinn aus einer fremden Bilanz ermitteln

Nun sind Sie mit allerlei Datenmaterial ausgerüstet und können Ihren Umsatz mit dem Durchschnittsumsatz Ihrer Branche sowie des gesamten Handwerks vergleichen. Doch wie lassen sich konkrete Gewinne vergleichen? Und wie können Sie Ihren Betrieb einem Vergleich mit der direkten Konkurrenz unterziehen?

Dies gestaltet sich deutlich schwieriger, da Sie in der Regel keinen Einblick in die Geschäftsbücher der Konkurrenz erhalten werden. Alleine mit der Gewinnberechnungsformel werden Sie also nicht den Gewinn der Konkurrenz ermitteln können – schließlich kennen Sie Umsatz und Ausgaben nicht. Glücklicherweise gibt es jedoch hilfreiche Tools, die die öffentlichen Jahresabschlussberichte von Firmen digitalisieren und analysieren, was detaillierte Einblicke erlaubt. Unter www.northdata.de finden Sie ein solches Tool, das Ihnen dabei hilft, Ihren Betrieb mit der Konkurrenz zu vergleichen.

 


Handwerkersoftware zur Berechnung des Gewinns eines Projektes

Mit einer Handwerkersoftware wie der Kalkulationssoftware Streit V.1 erstellen Sie nicht nur einfach und schnell Projektkalkulationen, sondern erhalten auch im Projektverlauf Einblick in die Zahlen und können begleitende Kontrollrechnungen vornehmen. Auch die Nachkalkulation ist schnell erstellt - so können Sie den exakten Gewinn Ihres Unternehmens im Bezug auf absolvierte Projekten einsehen.

Die Basis zur schnelle Ermittlung Ihres Umsatzes bzw. Gewinns aus einem Projekt ist die übersichtliche und einfache Erstellung von Leistungsverzeichnissen bei Ausschreibungen bzw. Angeboten sowie eine realistische Kalkulation. Mit Streit V.1 profitieren Sie von Funktionen wie Schnellerfassung, Filtermöglichkeiten, Drag&Drop und übersichtlichen Hierarchiestufen sowie Artikel- und Leistungskatalogen.

Bereits durchgeführte Kalkulationen dienen als Vorlage und können bei neuen Kalkulationen herangezogen werden. Dabei werden Positionen bei Übereinstimmung automatisch bestückt.  Leistungsverzeichnisse werden mit der GAEB-Schnittstelle einfach übernommen.

Ob sich ein Auftrag lohnt, zeigen Ihnen Wertschöpfungs- und Deckungsbeitragscharts sowie betriebswirtschaftliche Auswertungen.

Tipp: Überblick über alle Zahlen - mit der passenden Handwerkersoftware

Mit einer auf Ihr Gewerk zugeschnittenen Handwerkersoftware kalkulieren und verwalten Sie Ihre Aufträge schnell und effizient und haben stets den perfekten Überblick über alle Zahlen.


Fazit

Abschließend lässt sich festhalten, dass das Handwerk ein sehr heterogener Wirtschaftszweig ist, in dem ganz unterschiedliche Leistungen angeboten und aus verschiedenen Quellen stark unterschiedliche Umsätze erzielt werden. Zwischen wenigen tausend und mehreren Millionen Euro Umsatz im Jahr ist im Handwerk vieles möglich. Strukturbefragungen, Daten des Statistischen Bundesamts und öffentlich einsehbare Datenbanken mit Geschäftszahlen geben detaillierte Einblicke und ermöglichen den Vergleich des eigenen Betriebs mit der Konkurrenz. So ist es für jeden Geschäftsinhaber und jede Geschäftsinhaberin möglich, den Gewinn des eigenen Betriebs besser einzuordnen. Auch Branchenvergleiche lassen sich mit Hilfe derartiger Kennzahlen bewerkstelligen. Sinnvoll ist es in jedem Fall mit einer entsprechenden kaufmännischen Software zu arbeiten, mit der Sie den Überblick über Ihre Geschäftszahlen bewahren und effizient wirtschaften.